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50 gegen 200, Flaschen und Steine

Von Daniel Frey | 18. Mai 2012

In der georgischen Hauptstad Tiflis wollten gestern friedlich – während Christen Auffahrt feierten und Schwule und Lesben den Internationalen Tag gegen Homophobie – 50 Personen eine “Gay Pride” durchführen – wurden aber von 200 christlich-orthodoxen Schlägern angegriffen.

Die Polizei trieb beide Lager auseinander und nahm mehrere Menschen fest. Sie hätten zwar mit Ablehnung gerechnet, meinten Aktivisten in Tiflis, nicht aber mit Angriffen.

Auch im russischen St. Petersburg kam es gestern zu Gewalt gegen Lesben und Schwule. Unbekannte stoppten einen Bus mit LGBT-Aktivisten mit einer Nebelgranate, warfen Flaschen und Steinen und verprügelten einige der Aktivisten.

>Heute ist Internationaler Tag gegen Homophobie und Transphobie

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Heute ist Internationaler Tag gegen Homophobie und Transphobie

Von Daniel Frey | 17. Mai 2012

In Saudi Arabien, Iran, Mauretanien, Jemen und dem Sudan werden Homosexuelle von Gesetzes wegen umgebracht. In rund 75 Ländern, darunter Nationen wie China und Russland, werden Lesben und Schwule strafrechtlich verfolgt, gedemütigt, gefoltert, eingesperrt oder öffentlich an den Pranger gestellt.

Auch in der Schweiz sehen sich lesbischwule Menschen immer wieder mit Diskriminerungen und Einschränkungen konfrontiert. Eine Frau und eine Frau, ein Mann und ein Mann können hierzulande nicht heiraten, sie können sich nur eintragen lassen und sie sind von der Adoption ausgeschlossen – auch von der Stiefkindadoption. Schwule und Lesben sind regelmässig mit den heute gängigen Schimpfwörter wie “schwule Sau” oder “voll schwul” konfrontiert. “Die Werbung für ‘diese’ Lebensart gefährdet die psychische und moralische Entwicklung der Jugend”, sagte nicht ein Politiker in Russland, sondern ein Zürcher Kantonsrat. Und tatsächlich kommen Schwule und Lesben in den Lehrmitteln der Schulen nicht vor – höchstens im Sexualunterrricht.

Gesetzlich geschützt ist in der Schweiz auch die Diskriminierung von Transmenschen. Die Bedingung einer operativen Sterilisierung, Zwangsscheidung, zwingende Hormonbehandlung vor einer Namensänderung verletzen Menschenrechte.

Am 17. Mai 1990 beschloss die WHO – die Weltgesundheitsorganisation – Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten zu streichen. Noch immer “geistig gestört” sind allerdings Transmenschen – stuft die WHO Transsexualität doch als “schwere Persönlichkeitstörung” ein. Dabei ist es eigentlich so einfach: Transmenschen wollen in den Spiegel schauen und sich dabei selbst im richtigen Geschlecht sehen können.

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Christliche Nächstenliebe?

Von Daniel Frey | 15. Mai 2012

Die Heilsarmee geht – gemäss eigenen Angaben – “aktiv gegen soziale Missstände vor und lebt die Kraft des Evangeliums in Wort und Tat vor”. Wenn allerdings eine Mitarbeiterin der Heilsarmee eine Frau liebt, ist es mit der christlichen Nächstenliebe rasch vorbei. So geschehen in einem Behindertenheim im Kanton Zürich, wo die Heilsarmee der Leiterin gekündigt hat, weil diese eine Liebesbeziehung zu einer Mitarbeiterin hat.

Publik gemacht hat den skandalösen Vorfall die ‘NZZ am Sonntag’. Die Zeitung zitiert in ihrem Artikel aus einem Mail an die Mitarbeitenden der Heilsarmee. Demnach toleriere die Heilsarmee keine gleichgeschlechtlichen Verbindungen von Führungskräften mit Mitarbeitenden, da diese gegen biblische Grundsätze verstosse.

Der Gipfel der Frechheit: Das Behindertenheim wird vom Kanton mitfinanziert. So zahlt die Bildungsdirektion des Kantons Zürich Subventionen und bei ausserkantonalen Kindern zahlen die jeweiligen Kantone finanzielle Beiträge …

Die GaynossInnen der JUSO Schweiz verurteilen den Entscheid der Heilsarmee und zeigen sich schockiert über die Auffassung und Ausführung des gemeinnützigen Auftrages der Heilsarmee im Sinne ihrer Spender. In vielen Regionen dieser Welt werden die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender noch mit Füssen getreten. In der Hälfte der Staaten ist gleichgeschlechtliche Liebe strafbar, in einigen Ländern der islamischen Welt droht sogar die Todesstrafe. Die Signalwirkung, welche die Heilsarmee hier verbreitet kann kaum damit vereinbar sein.

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Weitere Todesurteile im Iran

Von Daniel Frey | 14. Mai 2012

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation ‘Human Rights Activists News Agency’ hat ein Gericht im Iran vier Männer wegen Sodomie zum Tod durch Erhängen verurteilt.

Anders als in früheren Fällen, in denen nicht immer klar gewesen sei, ob schwule Männer aufgrund von “Sodomie” oder ihnen vorgeworfener homosexueller Vergewaltigung schuldig gesprochen wurden, sei die Lage diesmal klar. Gemäss der Menschenrechtsorganisation existiere ein Text, aus dem hervorgeht, dass Sodomie der Grund ist, warum die vier Männer gehängt werden sollen.

Wie viele Menschen jährlich wegen Homosexualität im Iran verurteilt werden, lässt sich nur schwer nachvollziehen, weil die Prozesse meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden und kaum in nationalen oder auch internationalen Medien Beachtung finden.

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Initiative zur Rehabilitierung verurteilter Homosexueller in Deutschland

Von Daniel Frey | 11. Mai 2012

In Deutschland wurde eine Initiative zur Rehabilitierung von Menschen gestartet, die nach 1945 aufgrund des gefürchteten Paragrafen 175 wegen Homosexualität verurteilt wurden. Damit wird die Bundesregierung aufgefordert, die Strafverfolgung von Schwulen in der frühen Bundesrepublik wiedergutzumachen.

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland begrüsst die Initiative. Die Verurteilung Homosexueller in der frühen Bundesrepublik und der ehemaligen DDR sei ein “dunkles Kapitel deutscher Geschichte”, das bisher kaum erforscht und thematisiert worden sei.

Der Paragraf 175 zur Verfolgung homosexueller Handlungen geht auf das Kaiserreich zurück. Die Nationalsozialisten verschärften den Paragrafen erheblich. Viele Homosexuelle starben in Konzentrationslagern. In der Bundesrepublik galt das Gesetz noch bis 1969.

Und in der Schweiz?

Homosexuelle Beziehungen und Betätigungen waren “dank” dem Paragraphen 184 des schweizerischen Strafgesetzbuches vor 1942 gesetzlich verfolgbar.

Als erstes deutschsprachiges Land hob die Schweiz 1942 im Strafgesetzbuch die allgemeine Strafbarkeit homosexueller Handlungen auf. Weiterhin bestraft wurden aber homosexuelle Handlungen mit “Unmündigen” unter 20 Jahren und die homosexuelle Prostitution.

Am 1. Oktober 1992 trat schliesslich ein revidiertes Strafgesetzbuch in Kraft. Es brachte gleiches Schutzalter für homo- und heterosexuelle Handlungen. Gleichzeitig wurde das Verbot von gleichgeschlechtlicher Sexualität im Militär und jenes der homosexuellen Prostitution abgeschafft. Damit waren letzte Spezialbestimmungen für Schwule in unserem Land vom Tisch.

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Bumerang für Barack Obama?

Von Daniel Frey | 10. Mai 2012

Mitten im Wahlkampf hat sich US-Präsident Barack Obama für die gleichgeschlechtliche Ehe ausgesprochen. “Obamas Zustimmung zur ‘Schwulen-Ehe’ nützt wohl vor allem einem – seinem Rivalen Mitt Romney”, schreibt heute eine Gratiszeitung als Kommentar dazu. Doch die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare nützt in den USA auch den fünf bis zehn Prozent Lesben und Schwulen – was immerhin auch rund 15 bis 30 Millionen Menschen sind.

Lange hatte sich auch Barack Obama gegen die Gleichstellung zwischen zwei Männern oder zwei Frauen gestellt: “Ich habe in Bezug auf die ‘Homo-Ehe’ gezögert, zum Teil, weil ich dachte, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften ausreichend seien. Mir war bewusst, dass für viele Menschen der Begriff ‘Ehe’ etwas ist, das mächtige Traditionen beinhaltet, religiöse Überzeugungen und so weiter.” Es sei ihm persönlich aber wichtig, “gleichgeschlechtlichen Paaren zuzusichern, dass sie die Möglichkeit haben sollten, zu heiraten”.

Mit seinen Äusserungen hat der US-Präsident Bewegung in die Wahlen gebracht und zielt damit auf die Stimmen junger und liberaler Wähler – nimmt aber Verluste bei den Konservativen in Kauf. Herausforderer Mitt Romney reagierte auch prompt und sprach sich deutlich gegen die “Homo-Ehe” aus, die Ehe solle auf einen Mann und eine Frau beschränkt bleiben. Gemäss Meinung von politischen Beobachtern könnte die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu einem wichtigen Thema im Wahlkampf werden.

Der US-Präsident setzt mit seinem Votum für die Öffnung der Ehe ein Zeichen gegen die Diskriminierung von Lesben und Schwulen, das weltweit nicht übersehen werden kann. Das stärkt uns den Rücken im Kampf für unsere Menschenrechte – auch bei uns in der Schweiz wo ein gesetzlicher Schutz unserer sexuellen Orientierung dringend nötig ist.

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LGBT-Organisationen in St. Petersburg brauchen Unterstützung

Von Daniel Frey | 5. Mai 2012

Seit März dieses Jahres ist in St. Petersburg die “Propagierung” von Homosexualität unter Strafe gestellt. Und bereits kam es zu ersten Verurteilungen. So wurde Nikolai Alekseev gebüsst, weil er sagte, Homosexualität sei keine Perversion. Und am 1. Mai wurden 17 Personen verhaftet – weil sie am traditionellen “Marsch für Freiheit und Grundrechte” Regenbogenfahnen schwenkten …

Auch in diesem Jahr organisierte die LGBT-Organisation “Coming Out” in St. Petersburg die “Woche gegen Homophobie”. Ein Teil des Projektes bildete eine Plakataktion. Mit finanziellem Aufwand wurden 15 gewerbliche Werbeflächen angemietet und 30 grossformatige Plakate gedruckt. Die Plakate zeigen den Komponisten Pjotr Tschaikowski, den Tänzer Rudolf Nurejew, die Dichterin Marina Zwetajewa mit zugeklebten Mündern. Kurze Texte aus persönlichen Briefen und Dokumenten dieser russischen Kulturgrössen verweisen auf deren Homosexualität.

Die Präsentation der Kampagne wurde am 7. April von der Polizei unterbunden. Mehrere Aktivistinnen und Aktivisten wurden vorübergehend verhaftet, als sie die Plakate in der Öffentlichkeit zeigten. Ihnen drohen Geldstrafen …

Die LGBT-Organisationen in St. Petersburg bereiten sich nun auf einen langen und kostspieligen Kampf vor. Sie wollen durch alle gerichtlichen Instanzen in Russland ziehen, um dann das Thema vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bringen zu können.

Die deutsche Hirschfeld-Eddy-Stiftung unterstützt die Organisation “Coming Out” in St. Petersburg – und hat zu Spenden aufgerufen.

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Die verbalen Attacken eines Hinterwäldlers

Von Daniel Frey | 1. Mai 2012

Mit hinterwäldlerischen Ansichten sorgt Dieter Blechschmidt, CDU-Kommunalpolitiker aus Sachsen, für Wirbel – er attackiert sogar den deutschen Aussenminister Guido Westerwelle.

Auf einer Internetplattform schrieb der 50jährige Dieter Blechschmidt, dass “Lesben und Schwule nichts für ihre Krankheit können” und “den Betroffenen Hilfe angeboten werden muss”. Auch sei die Wahl von Guido Westerwelle als Aussenminister “keine gute Wahl”. Ein Schwuler könne Deutschland in arabischen Ländern nicht repräsentieren, da dort doch für Homosexuelle die Todesstrafe drohe.

“Homophobie ist heilbar, aber nicht Homosexualität”, kommentiert der sächsische Lesben- und Schwulenverbandes die Äusserungen Blechschmidts. Es sei “absolut hinterwäldlerisch, wenn Homosexualität als Krankheit aufgefasst wird”. Blechschmidts Attacken gegen Schwule und Lesben sind zudem kein Einzelfall. Bereits vor zwei Jahren hat ein weiterer CDU-Politiker aus der Region gegenüber Organisatoren eines CSD Homosexualität als “Abnormalität” bezeichnet.

Ob da in Sachsen die CDU oder die Wähler nochmals über die Bücher müssen?

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Thomas Hänzi in den HAB-Vorstand gewählt

Von Daniel Frey | 30. April 2012

Letzte Woche hat die Mitgliederversammlung der HAB, der Homosexuellen Arbeitsgruppen Bern, den 26jährigen Thomas Hänzi als Sekretär in den Vorstand und in den Geschäftsführenden Ausschuss gewählt. Er tritt die Nachfolge von Thomas Hottinger an.

Was hat Thomas Hänzi bei diesem ehrenamtlichen Job für Erwartungen? Was erhofft sich ein junger Mensch in einem Verein, der es notabene seit genau 40 Jahren gibt? Diese Fragen beantwortet er gestern Abend im gayRadio Bern auf Radio RaBe …

Archiv Radio RaBe

 

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Medikamente sollten heilen

Von Daniel Frey | 27. April 2012

Iwan Chartschenko ist 16 und lebt in Russland. Als er sich seinen Eltern als Schwul outet, steckte ihn sein Vater in eine Drogenklinik. Mit Medikamenten sollte er dort “geheilt” werden.

Am vergangenen Mittwoch versammelten sich vor der Klinik Aktivsten, Fernsehteams und Blogger und zeigten sich mit Iwan solidarisch. Die ‘Zeit’ schreibt: “Iwan darf aus der Klinik nicht raus, er darf mit niemandm sprechen, und als Journalisten und Unterstützer sich vor den Fenstern sammeln, erscheint er nur kurz im ersten Stock. Dann werden die Vorhänge zugezogen, das Licht gelöscht. Minuten später erscheint im dunklen Fenster ein selbst gemachtes Plakat ‘Ich liebe Dich’. Denn auch Iwans Freund steht unten.”

In der Nacht auf Donnerstag konnte Iwan die Drogenklinik verlassen. Den versammelten Aktivsten und Journalisten erklärt er, dass es ihm gut gehe, dass ihm aber Bedingungen gestellt wurden, damit er die Klinik verlassen kann – ohne diese allerdings zu nennen. Der Junge befindet sich nun bei seiner Mutter, die kein Problem mit seinem Schwul sein haben soll, sich aber bisher nicht um ihn gekümmert hat. Die Polizei hat Ermittlungen wegen Freiheitsentzuges aufgenommen.

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